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Über Daniela Butschs Videoinstallation „flow“
von Peter Funken

Wasser, nichts als fließendes, strömendes, rauschendes Wasser –  kein dürrer Strahl aus dem Wasserhahn, kein träger Kanal und auch kein gemächlich treibender Fluß, sondern unglaubliche Wassermassen, stürzende Kaskaden und Wasserwalzen zeigt Daniela Butsch in ihrer 2003 fertiggestellten Bewegtbildsequenz „flow“. Butsch hat „flow“ an den Niagara-Falls in den USA und in Kanada aufgenommen. „flow“ zeigt in einer stehenden Einstellung Fließbewegungen des Wassers und die Kraft, Intensität und Ruhe des Elementes. Butschs elektronische Bilder bilden im Vordergrund Wassermassen ab, die eine Stufe hinab fließen; von Links und die Bildmitte durchschneidend, drängen weitere Wasserströme nach, während im Hintergrund eine hinabstürzende Flut zu erkennen ist. Diese Einstellung und Ansicht bleibt während des gesamten Filmverlaufs erhalten. Es ist eine klare und spannungsgeladene Bildkomposition, die den ganzen Bildraum einnimmt. Mit der Ordnung von Hintergrund, Mittel- und Vordergrund erschließt sich etwas Absolutes, das dynamisch und dennoch meditativ erscheint. Daniela Butsch  versteht „flow“ berechtigterweise als „electronic painting“, als eine „elektronische Malerei“, denn ihre Aufnahme der Niagara-Fälle wird durch Farben gesteigert und medial konnotiert. Butschs Video durchläuft – nachdem es aus der Stille und Ruhe des Standbildes anfänglich rapide beschleunigt wurde – von Rot ausgehend alle Farben des Farbkreises samt ihrer Zwischentöne, bis der Film zum Schluß in einer Magenta-Tönung endet. Bis dahin ist vieles geschehen – die Ansicht des fließenden Wassers wechselte von Orange nach Gelb ins Grün und Blau, um violett und endlich rosarot zu werden. Mit den Farbveränderungen entstehen der Arbeit immer wieder andere und neue Stimmungen und Atmosphären: „flow“ beginnt in einem hellen, warmen Rot, wird dann geradezu gefahrvoll und blutig-rot, um bei der Farbe Blau in Kühle und Kälte umzuschlagen. Die scheinbar übergangslosen Veränderungen der Farben erzeugen Momente, die nur schwer zu begreifen und zu beschreiben sind, denn in den Zwischentönen entwickeln sich Kontraste, Vermischungen und Verwandlungen, die zwar das Auge wahrnimmt, über deren Bedeutungsveränderung sich der reflektierende Intellekt jedoch kaum beim ersten Sehen des Filmes bewußt werden wird. Zudem verändert „flow“ seine Bewegungsrichtung nach der ersten Hälfte seiner Laufzeit*, die bei gut sechs Minuten liegt. Nach der ersten Hälfte fließt und fällt das Wasser nicht länger der Gravitation gehorchend nach unten, sondern  steigt nun rückwärts zurück zu seinem Ursprung. Getrennt werden die beiden gegensätzlichen Fließrichtungen durch eine Entschleunigungsphase, die in einem Stillstand von wenigen Sekunden gipfelt. Durch diese Rückwärtsbewegung entwickelt sich dem Film eine besondere Form der Perzeption, die den Betrachtern die Chance gibt noch einmal und anders in „flow“ „einzusteigen“: Wirkte die erste Hälfte schon nach kurzer Zeit der Betrachtung auf sehr intensive Weise suggestiv und zog die Betrachter in einen Bann oder Sog, der durchaus rauschhaft erlebt wird, so entsteht mit dem Zurückfließen der Wasser, eine neuerliche und zusätzliche Irritation, die das Dargestellte noch weiter als bisher aus dem Realitätsbezug löst. Mit dem Zurückfließen wird die Filmwirklichkeit nun vollends phantastisch, nur – und dies erscheint mir bemerkenswert – ist die Suggestionskraft, die durch das fließende Wasser und die Veränderungen der Farben ausgelöst wird, sowieso dermaßen gesteigert, dass man sich als Betrachter über die durchaus unterschiedlichen Grade der Darstellung von Wirklichkeit kaum Rechenschaft ablegt und in gewisser Weise schon nach kurzer Zeit selber mitfließt, also zu einem Bestandteil des Filmes wird. „flow“ produziert auf diese Weise eine neue, komplexe und faszinierende Realitätsform, die zwar von einem Naturphänomen ausgeht, jedoch nicht dabei stehenbleibt, sondern zu einem medialen Erlebnis und Erleben führt, das die Betrachter beim Zusehen aktiviert und in das Geschehen integriert. Wie sie mit diesem Erlebnis umgehen, ob sie es als rein sinnlich-emotionale Erfahrung erleben oder aber als Denkanstoß für die Frage nach der Wirklichkeit von Wirklichkeit begreifen, ist dabei jedem selber überlassen. In diesem Sinne ist Daniela Butschs „flow“ ein offenes Kunstwerk, das seiner Form nach konkret ist, in Hinsicht auf seine Deutung aber viele Ansatz- und Interpretationsmöglichkeiten erlaubt. 

ï Das Mastertape von „flow“ hat eine Länge von gut 12 Minuten, die durch Loops verlängert werden können. Diese Grundform wird je nach Projektionsort und Projektionskontext variiert, wobei „flow“ sowohl im Innen- als auch im Aussenraum installiert werden kann. Nach meiner Auffassung ist der ideale Darstellungsort der Aussenraum, weil „flow“ etwa als Fassadenprojektion erst in der großen Dimension seine ganze Kraft, Intensität und Eleganz entwickelt. Daniela Butsch versteht „flow“ als kontextorientiertes Konzept, dessen Länge und Projektionsgröße variabel ist. 

Dr. Peter Funken
geb. 1954 in Heinsberg / Rhld. , lebt seit 1983 in Berlin als freier Autor und Kurator. Derzeit arbeitet er für die Nordeuropäische Akademie für Kunst und Architektur in Schwerin.

HOMMAGE AN MARK ROTHKO

In dieser Hommage gelingt Daniela Butsch eine ungewöhnliche Individualisierung des Blickes auf das Werk von Mark Rothko, einem der Hauptvertreter des amerikanischen Abstrakten Expressionismus. Rothkos künstlerische Entwicklung war geprägt von zunehmender Abstrahierung vom Gegenständlichen. Mit seinem Namen verbindet man heute vorrangig seine rechtwinkligen Kompositionen aus weichen Farb-Blöcken, welche in den 50er Jahren entstehen. Der zur Charakterisierung von Rothkos Farbzonen immer wieder auftauchende Begriff der „Leuchtkraft“, welche der Künstler durch seine virtuose Nebeneinanderstellung und Übereinanderschichtung von Farbblöcken suggeriert, beschreibt die Wirkung von Rothkos Werken in einem fast impressionistischen Sinne: Was „leuchtet“, sind nicht die realen Farben, sondern die durch ihre Wahrnehmung verursachten Vorstellungen. Ein Bild von Rothko im Dunkeln ist perzeptiv nicht existent. Butsch greift Rothkos Farb- und Formensprache auf, ist jedoch durch die Möglichkeiten ihres Mediums in der Lage, sowohl die beschriebene „Leuchtkraft“ als auch die meditative Entwicklung ihrer Werke aus dem Suggestiven in die Wahrnehmbarkeit zu transzendieren. Um den Preis des Bedarfs einer permanent erhöhten, organisierten Energiezufuhr (ohne Strom bricht die farbliche und zeitliche Komposition sofort zusammen) gewinnt die Künstlerin eine größere Gestaltbarkeit dieser Aspekte. Mit dieser Verlagerung der Meditation in das Wahrnehmbare wird vergleichsweise weniger offen gelassen und somit das Werk von Rothko durch den Wechsel des Mediums auf substanzielle Weise reflektiert. Die stete Wiederholung der geloopten Sequenz stärkt dabei die suggestive Kraft der Projektion, ähnlich der rauschhaften Wirkung einer Litanei. So ist die Visualisierung von Butschs individueller Meditation über das Werk Rothkos als Projektion auf ein symbolisch aufgeladenes Gebäude – vergleichbar der Visualisierung von Traumwelten im Surrealismus – eine Externalisierung kognitiver Welten in das Wahrnehmbare. Butschs „electronic painting“ stellt jedoch nicht nur eine Würdigung des bedeutenden Abstrakten Expressionisten Rothko dar, sondern erweitert dessen Bedeutung durch die komplexen Implikationen des symbolischen Kontextes zum vollkommen eigenständigen Kunstwerk. Und auch hier findet sich auf der Metaebene der Bezug zu Rothko und seinem Credo: „We favor the simple expression of the complex thought.“

Anke Schuster, Kunsthistorikerin

IDEOGRAMES DE LES DAMES D’ELX
Las „Damas de Elche“ de Daniela Butsch y la alta cultura ibérica
Por Dr. Harriet Häußler-Bastian

Daniela Butsch mostrará un nuevo y extenso ciclo de obras en una exposición en el Museo Arqueológico y Etnográfico de Xàbia, en la costa este de España, directamente en el mar Mediterráneo, a partir de mediados de septiembre de 2023. El Museu Arqueològic  i Etnogràfic Municipal Soler Blasco está ubicado en uno de los edificios más importantes de la ciudad del siglo XVII, en el palacio de Antoni Banyuls, que fue mayordomo del rey Felipe III. El museo presenta piezas arqueológicas desde la prehistoria hasta la actualidad estrechamente vinculadas a la cultura ibérica. Y es que la ciudad costera no sólo cautiva por su interesante situación geográfica entre el mar Mediterráneo y el Montgó, sino también por su historia: En sus inmediaciones aún se conservan numerosas excavaciones arqueológicas. Los íberos, grupo étnico que pobló amplias zonas de la Península Ibérica entre el siglo VI a.C. y el siglo I d.C., vivieron aquí, al igual que los romanos, que fundaron varias ciudades romanas en las inmediaciones de Xàbia a partir del siglo II a.C. En el siglo I d.C., el emperador Vespasiano concedió a Hispania la ciudadanía latina. Numerosos emperadores procedían de la península, como Trajano, Marco Aurelio o Adriano, pero también escritores famosos como Seneca, Lucano o Marcial procedían de esta región. También es interesante señalar que, en 1584, el famoso poeta nacional Miguel de Cervantes, que publicó „El Quijote“ entre 1605 y 1615, fue capturado aquí frente a la costa por un almirante de la armada otomana y vendido a Argel como esclavo. Estas numerosas referencias histórico-culturales desempeñan un papel en parte directo, en parte subliminal, en la obra de la artista alemana Daniela Butsch. Bajo el largo y ya sugerente título „Ideogramas de una lengua desconocida o Noticias de las damas de Elche – también llamadas Patrón Oro o Leyes“, reúne su grupo de nuevos y fascinantes dibujos, grabados y obras tridimensionales. La exposición, que se exhibe en la sala de arte contemporáneo del museo, presenta tres tipos diferentes de obras: dibujos bidimensionales, placas de cerámica tridimensionales y grabados sin enmarcar e instalados libremente en la pared. Todas las obras son únicas y datan de 2022-2023. En una parte de las obras aparecen personajes en primer plano, en la otra un retrato muy concreto de una dama. Lo que llama la atención de la instalación en el museo es que el acceso a la obra es muy directo: no hay molestos cristales que reflejen la luz ni capós de plexiglás que oculten al espectador los dibujos tridimensionales. Comencemos nuestra consideración con los dieciséis llamados „Ideogramas de las Damas de Elche“, en los que el centro de atención son los signos. Daniela Butsch utiliza sólo dos colores en estos lienzos tan titulados, cuadrados y de 40 x 40 cm: bolígrafo negro sobre fondo dorado. El efecto del bolígrafo Lumicolor es similar al de un rotulador. El fondo dorado se crea imprimando primero el lienzo con una pintura a la tiza de color dorado y muy sensible. Este contraste de color negro sobre dorado es común a todos los dibujos de Ideogramm. Las formas que la artista aplica con el bolígrafo a estos lienzos, que parecen una especie de manuscrito dorado, muestran una variabilidad increíblemente grande. No se reconoce ningún signo al que pueda atribuirse un significado claro. Al mismo tiempo, el espectador puede hacer numerosas asociaciones con símbolos que le son familiares: Algunos ideogramas, como en el n.º 434 o el n.º 451, parecen recordar a los jeroglíficos egipcios. Círculos, garabatos, líneas serpenteantes, garabatos, triángulos o incluso mayúsculas se yuxtaponen ordenadamente en 20 líneas. En estos ideogramas de apariencia „antiguo-geométrica“ se puede encontrar una influencia directa del antiguo círculo cultural romano, lo que resulta decisivo tanto para el artista como para el lugar de la exposición. En otros ideogramas, sin embargo, como el nº 427, parecen hacerse visibles otras influencias del subconsciente: Los signos parecen proceder de la cultura germánica – casi como si los hubiera escrito un monje medieval, uno puede reconocer una o dos letras medievales. Y de nuevo un tercer tipo de ideogramas recuerda a caracteres no europeos, como por ejemplo en el nº 423 o el nº 432 de símbolos lingüísticos de China o Arabia. Todos los signos son fundamentalmente ideogramas puros sin significado. Lo que interesa a la artista es centrarse en el signo en sí, en la escritura y en lo escrito. Como en una especie de meditación, los signos individuales se fijan clara y distintamente en negro oscuro sobre el oro luminoso del fondo de Daniela Butsch. También es interesante la observación de que las huellas dactilares de la artista siguen siendo reconocibles sobre el fondo sensible. La grasa humana permanece visible como una huella oscura y una sombra sobre el lienzo. Daniela Butsch crea aquí preciosos manuscritos comparables a los manuscritos iluminados de la Edad Media que todavía parecen estar esperando a ser descifrados. También en arqueología se necesitaron a veces siglos hasta que se pudieron descifrar signos antiguos -recordemos el descubrimiento de la „Piedra Rosetta“ del siglo II a.C., sólo gracias a la cual se pudieron traducir los jeroglíficos egipcios. Con este fragmento de piedra, podemos pasar al segundo tipo de obras de arte expuestas: Daniela Butsch muestra tres bloques de piedra inscritos con signos. Les da los mismos títulos que a los dibujos Lumicolor sobre lienzo: „Ideogramas de las Damas de Elche“, sólo que se trata de dibujos expansivos sobre placas de cerámica. Los cuatro bloques de aspecto pesado, que miden 66 x 40 cm y 90 x 30 cm, están esparcidos por el suelo del museo. En relación con las obras en lienzo del mismo título, surge la idea de que parecen casi planchas de imprenta, aunque es obvio que también se trata de piezas únicas. A diferencia de los lienzos, pero en relación con la Piedra Rosetta, la artista escribe con su bolígrafo negro Lumicolor sobre las cerámicas grises o de color terracota. La superficie de la cerámica es rugosa, como la de la famosa piedra. Una vez más, los signos parecen como si se les pudiera asignar significados directos. Sin embargo, a diferencia de los dibujos sobre lienzo, más pequeños y bidimensionales, la escritura sobre las losas es mas redondeada y expansiva. Algunos signos parecen casi gestuales, pero siempre están en filas fijas, nunca se superpone un signo a otro. Una vez más, Daniela Butsch „escribe“ en filas ordenadas, superpuestas horizontalmente de izquierda a derecha, como está acostumbrada nuestra mirada europea. No hay ideogramas en los que haya una desviación de esta forma occidental de escribir y, por ejemplo, algo se escriba de derecha a izquierda como en el ámbito cultural árabe o de arriba abajo como en el asiático.  Las referencias a otras planchas antiguas se sugieren por sí solas: No sólo la Piedra Rosetta, sino también el panel con el título en latín „Lex Salpensana“ parecen ser asociados por los visitantes de esta exposición en Xàbia, España, al observar los cuatro ideogramas cerámicos. La Lex Salpensana se expone ahora en el Museo Arqueológico Nacional de Madrid. Se trata de una tablilla romana de bronce del siglo I d.C. en la que se conceden a la ciudad romana o hispánica antigua de Salpensa normas de derecho municipal. La tablilla menciona varios decretos imperiales y fórmulas de juramento. Con este hallazgo arqueológico, pasamos al tercer grupo de obras de esta exposición, que se centra en un retrato concreto de mujer, también de la Antigüedad: se trata de 30 impresiones fotográficas tituladas „Mujeres de Elche“. Estas impresiones pigmentadas miden 48 x 32 cm y muestran el rostro de la „Dama de Elche“. Esta figura femenina es un busto de piedra caliza de una mujer con complejos adornos en el pelo, decoraciones en las orejas y llamativas joyas. El collar que lleva al cuello está parcialmente cubierto por una especie de manto o sobrevestido. La escultura fue hallada en 1897 en la localidad española de Alcudia de Elche y actualmente se encuentra en el Museo Arqueológico Nacional de Madrid, al igual que la Lex Salpensana. Está fechada en el siglo V a.C. y hoy se considera un testimonio excepcional de la alta cultura ibérica. Los 30 grabados de Daniela Butsch están creados al estilo del artista estadounidense del Pop Art Andy Warhol: Un mismo retrato del antiguo busto ibérico de mujer está impreso en negro intenso cubriendo toda la superficie en el centro de la imagen. Tanto el rostro como el espacio abierto entre la figura y el borde del cuadro se imprimen en un total de 30 colores diferentes. El resultado es una serie impresionante de esta dama tan importante para España. La figura femenina, que procede de la antigüedad, parece haber sido creada con el mismo aliento que las celebridades del siglo XX que Warhol creó en tantas series de retratos. La elegante „Dama de Elche“ parece una estrella del siglo XX, como si fuera una versión antigua de Marilyn Monroe o Liz Taylor. Sólo recientemente los exámenes químicos del busto han podido demostrar inequívocamente que se trata de una escultura antigua. Mientras tanto, los arqueólogos suponen que se trata de una urna, ya que en su interior se encontraron restos de huesos humanos quemados. Por tanto, lo más probable es que el personaje fuera una dama de alto rango de la cultura ibérica que fue enterrada en este busto de piedra. El último grupo de obras a considerar son las dos impresiones fotográficas de mayor tamaño „Dama de Elche“, que llevan el añadido „Oro y Plata“. Son casi el doble de grandes que las 30 impresiones al estilo Warhol y miden 81 x 61 cm. En contraste con las treinta impresiones más pequeñas, muy oscuras y de aspecto místico, parecen casi impresiones en negativo de los inicios de la fotografía. En consonancia con el título, una dama del antiguo busto femenino brilla en plata, la otra en oro. En conjunto, ambas impresiones fotográficas son mucho más brillantes: casi como iluminada desde atrás, la antigua dama mira fijamente al espectador a los ojos. El título adicional, con su referencia a los dos metales preciosos, está estrechamente relacionado con otro momento importante de la historia española: la llamada „edad de oro“ de España en los siglos XVI y XVII. Durante estos dos siglos, los españoles dominaron Europa. Saquearon grandes cantidades de metales preciosos de las colonias de América. Los dos grabados de la „Dama de Elche“ de Daniela Butsch parecen recordar este matrimonio, también cultural. El ciclo secuencial de obras de la artista alemana en el museo español es de una intensidad impresionante, tanto por el intercambio de culturas como por las numerosas referencias a la propia historia del arte. La visión de la artista alemana Daniela Butsch de la „Dama de Elche“ es un fascinante tratamiento de la antigua alta cultura ibérica en el arte contemporáneo europeo.

landschaft schnell von Daniela Butsch
Videoprojektion 

Daniela Butsch konzeptioniert mit „landschaft schnell“ eine Videoprojektion auf und durch die Scheibe des Galerieraums auf die gegenüberliegende Häuserwand, sowie die Spiegelung der Projektion im inneren des Raums. Ausgangsmaterial sind Videosequenzen von Landschaftsaufnahmen, welche in schneller Kamerabewegung aufgenommen und von Butsch für den künstlerischen Kontext weiter aufgearbeitet wurden. Neben den bereits bei der Aufnahme erzielten Verwischungen von Farben und Licht ist das prägende gestalterische Element hierbei Butschs virtuoser Umgang mit dem zeitlichen Ablauf ihrer visuellen Versatzstücke. Dabei bricht Butsch die Kontinuität der Bildbewegung durch deren zeitliche Sezierung und gewinnt hierdurch eine energetisch stark aufgeladene visuelle Dynamik, welche durch kurze, stakkatoartige Standbildfolgen generiert wird. Durch die fehlende zeitstarre Verkoppelung der Einzelprojektionen, den unterschiedlichen Längen der jeweiligen Projektionssequenzen und den Gleichlaufschwankungen der Abspielgeräte ergeben sich zufallsgesteuert variierende zeitliche Bezüge der Projektionen zueinander. Die chaotische Taktung der Hell- Dunkel-Abläufe bei gleichzeitiger Referierung auf ein und den selben Pool von Videoloops konglomeriert zu einer Art „visuellem Freejazz“ mit einem vergleichbaren Reiz der energetischen Interferenzen. Trotz der jeweils de facto autarken und zueinander wechselwirkungsfreien Projektions-Systeme scheinen diese aufeinander zu reagieren und immer wieder neu miteinander zu interagieren. Neben dieser zeitlichen Gestaltung der polyrhythmischen Mehrfachprojektion verwirklicht Butsch in ihrer Konzeption eine grundlegende Erweiterung ihres Mediums. Die für die vielschichtigen symbolischen Implikationen ihrer auf Gebäude projizierten „electronic paintings“ bekannte Künstlerin erschließt durch die Verwinkelung der planen Projektionsflächen zueinander die dritte Dimension und erweitert somit ihr Konzept der elektronischen Malerei zur elektronischen Skulptur. Die Skulptur aus Lichtschnitten im architektonischen Raum in der für Butsch typischen semantischen Verschränkung von Architektur und Projektion offenbart in besonders reizvoller Weise ihr Sujet.

Anke Taryn Schuster, Kunsthistorikerin

Speed Manipulation von Daniela Butsch

Daniela Butsch zeigt in ihrer Videoarbeit eine Aufnahme des Heck-Fahrwassers eines Fährschiffes zusammen mit den sich überlagernden Originaltönen der Motorengeräusche und des aufgewirbelten Wassers. Aufgenommener Schall und Wellenschlag sind dabei Überträger der gleichen Energiequelle, der Schiffsschrauben, jedoch in Übertragungsmedien unterschiedlicher Stofflichkeit: Luft und Wasser. Die Oszillation dieser Übertragungsmedien lässt Butsch verschiedene Be- und Entschleunigungen durchlaufen und erzielt mit dieser minimalistischen zeitlichen Stilisierung eine erstaunliche Wirkungstiefe. Durch die formatfüllende Bewegung der Wasseroberfläche und das damit einhergehende Fehlen von Proportions- und Perspektivbezügen wird die räumliche Tiefe des Bildes verringert und damit die von Butsch angestrebte Zweidimensionalität ihres „electronic painting“ gestärkt. Die Strömungsdynamik des durch die Schiffsschrauben aufgewühlten Wassers verursacht entlang der Fahrrinne Zonen unterschiedlicher Reflektionen, Brechungen und Filterungen des Lichtes und ergibt eine vertikale farbliche Strukturierung des Bildes in Anthrazit- und Türkis-Töne, durchzogen vom Weiß der Gischt. Aus einer ansprechend fließenden Farbkomposition wird unversehens ein extrem beschleunigter akustisch-visueller Prozessablauf und umgekehrt. Bild und Ton, die manchmal an einen Fernseher mit Empfangsstörung erinnern und durch welche Butsch den Betrachter aus einer einladenden Meditation herausreißt, rufen die technische Bedingtheit ihres Gestaltungsprozesses ins Bewusstsein. Nach einer Einführung in das Spektrum der Zeitdeformationen beendet Butsch die Sequenzen mit einem Dreischritt einer zunehmenden Entschleunigung. Der Ton als sensibelster Indikator für das Abspieltempo geht von einem tieffrequenten Rauschen über ein Geräusch an der Grenze des Übertragungsbereiches der Schallwandler und sackt dann in den unhörbaren Infraschall-Bereich ab. Das aufgewühlte Wasser gerinnt dabei zum scheinbaren Stillstand. Doch gleich einer Gesteinsformation, die sich nur in geologischen Zeiträumen verändert, ist der erreichte Aggregatzustand illusionär. Durch die vorhergehende Einweisung in den zeitlichen Gestaltungsablauf gelingt Butsch mit dieser entscheidenden Schlusssequenz ein konzeptuelles Kleinod: Die Möglichkeiten unserer perzeptiven Intuition sind begrenzt, wir können die extrem verlangsamte Veränderung nicht mehr wahrnehmen, aber wir wissen um diese. Ein Wissen von großem Assoziationsreichtum, legt es doch eine Gestaltbarkeit von Veränderungen nahe, die über den menschlichen Zeit- und Wahrnehmungshorizont hinausreichen. 
Anke Taryn Schuster, Kunsthistorikerin